Works | Gudrun Aßmann + Peter Zuppa

Peter Zuppa und Gudrun Aßmann erforschen in ihren Virtual-Reality-Installationen, wie virtuelle Welten für Besucher sinnlich und emotional erfahrbar werden. Mit immersiven Erfahrungsräumen und Algorithmen stellen sie die Frage nach Dimensionen jenseits der vermeintlich festgefügten Wirklichkeit und lassen die Grenzen zwischen Wahrnehmung und Realität durchlässig werden.


ÜBER.ALL | 2025

AR/VR-Installation

Inspiriert vom besonderen Raum der Stadtkirche entstand die Virtual-Reality-Installation „ÜBER.ALL“. Sie stellt die Frage, was jenseits der vertrauten, scheinbar festen Realität existiert – und lädt dazu ein, diesen Grenzbereich selbst zu erleben. Ausgangspunkt sind architektonische Elemente der Kirche: die in den Boden eingelassene Tür zur Fürstengruft und die markanten Sandsteinbögen. Mit der VR-Brille werden diese Motive transformiert. Man betritt virtuell die Bodentür, durchschreitet einen steinernen Bogen – und findet sich plötzlich in einer anderen Sphäre wieder: der überwältigenden Unendlichkeit des Kosmos. Es eröffnet sich ein immersiver Raum, der Größe und Tiefe des Alls körperlich und emotional spürbar macht. Doch die Besucher bleiben nicht passiv Betrachtende. In der VR werden sie zu Akteuren, die mit Objekten interagieren, die als Relikte menschlicher Forschung im All schweben: ein Foliant, ein Mond, eine als Zauberwürfel gestaltete Weltkugel, ein kleines Segelboot. Die physische Interaktion verstärkt die Erfahrung einer virtuellen Welt, die sich unabweislich real anfühlt und den Betrachter mit der Frage hinterlässt: Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

Interaktives 3D-Model

jenseitsvon(3D model)

Das Modell lässt sich im Browser drehen und zoomen. Mit einem Button (linkere obere Ecke), kann die Kamera des Anzeigegeräts aktiviert werden und das Modell läßt sich im Raum platzieren, drehen und zoomen


B.U.B.B.L.E.S | 2025

AR/VR-Installation

Die Virtual-Reality-Installation B.U.B.B.L.E.S untersucht, wie Filterblasen in sozialen Netzwerken entstehen – und wie sie unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit prägen. Im digitalen Raum entscheiden Algorithmen darüber, welche Inhalte Menschen sehen, hören oder für wahr halten – oft, ohne dass wir es bemerken. B.U.B.B.L.E.S macht diese unsichtbaren Mechanismen sichtbar und vor allem spürbar. Um die unterschiedlichen Echokammern erfahrbar zu machen, arbeiten die Künstler bewusst mit Farben, Bildern und Sounds, die jeweils eine eigene Stimmung erzeugen. Besucher tauchen nicht nur in die Räume ein, sondern erleben sie körperlich und atmosphärisch. Die immersive VR-Anwendung führt durch drei soziale Echoräume: die Öko-Bubble, die Queer-Bubble und die Tech-Bubble. Jeder dieser Räume bildet eine eigene Version der Realität – mit spezifischen Werten, Normen und Erzählungen, die sich in ihrer Gestaltung unmittelbar widerspiegeln. Anders als im realen digitalen Alltag sind diese Blasen jedoch nicht hermetisch in sich abgeschlossen. Die Besucher können sich frei zwischen ihnen bewegen, Perspektiven wechseln und direkt erfahren, wie unterschiedlich Wirklichkeiten im digitalen Raum konstruiert werden.


eye-feel | 2024

VR-Installation

Seit wir denken können, erleben wir die Welt als etwas Festes und Greifbares. Dinge bestehen aus Materie, sie haben Gewicht, Widerstand und Form – und auf dieses Wissen verlassen wir uns ganz selbstverständlich. Doch was passiert, wenn genau dieses Grundvertrauen ins Wanken gerät? Die VR-Installation „eye.feel“ von Peter Zuppa spielt mit dieser Irritation. In der virtuellen Welt verlieren Objekte ihre Stofflichkeit, wirken zugleich aber vollkommen real. Unter der VR-Brille sind es allein die Augen, die „Welt“ bauen – und die gewohnten Regeln der Physik lösen sich auf. Grenzen, die im Alltag unüberwindbar sind, existieren hier nicht mehr. Die Besucher können durch Wände gehen, Mauern durchdringen oder sich mühelos an Orten bewegen, die normalerweise blockiert wären. Dieses ungewohnte Erleben verschiebt die Wahrnehmung: Wie fühlt es sich an, wenn Widerstand verschwindet? Wenn der Körper etwas anderes erwartet, als die Augen ihm vorgaukeln? „eye.feel“ macht diese Irritation unmittelbar erfahrbar – körperlich, emotional und intuitiv. Die Installation zeigt, wie leicht sich scheinbar festes Wissen auflösen kann und wie stark unsere Wahrnehmung von dem beeinflusst wird, was wir sehen.


Artwork Likes You | 2018, 2025

Interaktive Installation

In der digitalen Welt gehört das Bewerten, Liken und Ranking längst zum Alltag. Mit „Artworks Like You“ übertragen die Künstler dieses Phänomen in den Kunstkontext und drehen gleichzeitig die gewohnte Perspektive um. Normalerweise betrachten wir Kunst und bilden uns ein Urteil. Hier aber wird die Perspektive umgedreht: Das Kunstwerk bewertet die Besucher. Ein Monitor zeigt das Werk, versehen mit einer integrierten Kamera. Sobald jemand davorsteht, erfasst ein Algorithmus das Erscheinungsbild der Person und vergibt Sterne – ganz im Stil sozialer Netzwerke. Die Kriterien bleiben verborgen, die Bewertungen scheinbar willkürlich – und damit überraschend vertraut in ihrer Undurchschaubarkeit. „Artworks Like You“ ist zugleich spielerisch und kritisch. Die Installation macht spürbar, wie zufällig und unberechenbar digitale Bewertungssysteme sind. Und sie öffnet einen ungewohnten Raum: Der Moment, in dem das Kunstwerk zurückschaut und selbst zum Urteil gelangt, entwickelt eine emanzipatorische Kraft. Die Beziehung zwischen Kunstwerk und Betrachter verschiebt sich – und löst die Frage aus: Wer hat hier eigentlich die Deutungshoheit