VOLKMAR HOPPE
FUZZLE
Volkmar Hoppe / Prof. Rolf Kruse: FUZZLE, Rohacell, Quest 3 VR-Brille

Von der sozialen Plastik eines Joseph Beuys zu Volkmar Hoppes individueller Einladung, seine Welt in unsere Hände zu nehmen. Sie nach eigener Idee zu verändern, Wahrnehmung zu hinterfragen und spielerisch zu verändern.
Volkmar Hoppes Form- und Bildsprache erwächst vordergründig aus dem Repertoire der Comics und der mechanistischen Konstruktion. Die Faszination erwächst aber genau an dieser Schnittstelle, in der einzigartigen Kombination aus phantastischem Chaos und präziser Passgenauigkeit.
Unter diesen Kriterien entstand 2021 die Idee zu Almost Certain. Anfangs ein statisches Bild als Siebdruck, aber in der Folge als plastisches und gleichzeitig veränderbares Objekt ausgeführt. Geometrische Grundformen aus schwarzlackiertem Holz, mit eingelassenen Magneten als statisch verbindende Schnittstellen. Dazu farbige Elemente als Endstücke.
Und genau hier beginnt der Übertrag und die Weiterführung des plastisch, realen Objekts in die „Mixed Reality“. In eine beliebig veränderbare virtuelle Skulptur. Kristallisationskern ist ein aus Almost Certain generiertes, reales Objekt, auf einer Präsentationsfläche im Format 70 x 70 x 70 cm. Durch den Einsatz einer Mixed Reality Brille werden passiv Betrachtende zu gemeinsam aktiven Weltgestaltern.
Die Module im virtuellen Raum sind exakt maßstabsgerecht und können an die Schnittstellen der realen Skulptur angedockt und in 90° Schritten verdreht werden. Daraus ergeben sich endlose Kombinationsmöglichkeiten. Als Dopplung wird die Skulptur in wesentlich größerem Maßstab parallel ergänzt. Durch diesen Effekt agiert der Konstrukteur plötzlich unmittelbar in seiner eigenen Handlung. Wird Teil einer ihn überragenden virtuellen Struktur, die er zeitgleich im Kleinen real erschafft. https://youtu.be/979iyuuok7I?si=uEPJQvCn_nc-QFpY
PROTOZOA
Plexiglas, Farbfolie, Anaglyphenbrille

Eine weiterführende Installation, auf der virtuell/realen Fuzzle-Basis. 10 freischwebenden Anaglyphen, die per Rot/Grün 3D-Brille betrachtet werden können. Die Anaglyphenpaare aus Plexiglas sind in einer bestimmten, räumlichen Tiefenstaffelung aufgehängt. Der Blick durch die 3D-Brille erschafft nicht nur ein virtuelles 3D-Bild der Elemente, sondern zeigt auch eine neue Anordnung im Raum.
SHARDS

Ein schwarmartige Ensemble von 27 Einzelkompositionen aus schwarzem Plexiglas. Zwischen flach, flächig, vielfach durchbrochen, bis hin zum eckig oder kurvig Linearen, streben die Einzelelemente vom Zentrum weg. Vergleichbar mit Blitzen und Schallwellen einer Explosion. Mit Abständen zur Wand montiert, so dass jedes Objekt sein Schatten-Double auf dem weißgetünchten Hintergrund erzeugt.
Die fraktalen Splitter sind Teil eines wachsenden Kosmos aus derzeit 84 Shards, die immer wieder aufs Neue arrangiert, ausgetauscht oder erweitert werden können. Das sichtbare Ensemble stellt nur eine Momentaufnahme aus unendlichen Kombinationsmöglichkeiten dar.
Auf den ersten Blick eine Reminiszenz an geometrisch-abstrakte Kompositionen des späten Kandinsky. Figürlich bewegungserweitert um Assoziations-Schemen, die an Flammenbündel, Pflanzenkeimlinge, Zielscheiben, ein Gebiss oder gar ans wulstige Michelin-Männchen erinnern. Dazu Atemwölkchen als noch zu befüllende Sprechblasen.
Kurz: Der artistische Urheber verschmäht in Kenntnis der hehren Kunstgeschichte auch den reichen Schatz der Populärkultur nicht. Wobei so nie vorhersehbare Geschichten erzählt werden. An die Stelle herkömmlicher Mensch- oder Tier-Pattern treten Dinge und Zeichen. Hyperaktive Bildabschnitte. Mit- und ineinander verschränkt, wie Splitter eines anti-chronologisch zappelnden Puzzles.
Naheliegend war dies auch im Spin-off Humming Shards interaktiv zu untersteichen. Hierbei werden die zu einem Konglomerat zusammengepferchten Shards über eine ausgefeilte Elektronik abhängig von der Körperwärme des Betrachters in manische Vibrationen versetzt. https://www.youtube.com/watch?v=K04s-zQYdQo

CICADAS SONG
Briefe, Holz, Elektronik

Das Projekt zeigt 60 Briefe und Dokumente, die der Künstler gesammelt hat. Zeugnisse der Kommunikation vergangener Zeiten. Einige sind sehr alt (200 Jahre); es gibt persönliche Briefe, Postkarten, Geschäftskorrespondenz etc.. Auf der Rückseite jedes Dokuments befindet sich ein Vibrationsmotor, wie er in Smartphones eingebaut ist. Die Motoren werden über einen Arduino derart angesteuert, das quasi eine „La-Ola“ Welle durch die Ansammlung von Briefen durchvibriert. Das ganze wird gestartet durch eine SMS an das Objekt. Je nach Text werden unterschiedliche Vibrationsmuster abgespielt. https://www.youtube.com/watch?v=o5r8Pz0Lxgo
Die Idee dazu kam Hoppe während eines Aufenthalts auf Frazer Island in Australien. Dort bemerkte er im Regenwald eine äußerst bizarre hochfrequente Geräuschkulisse. Das Geräusch wanderte permanent um ihn herum. Er erfuhr, dass es Zikaden sind, die so miteinander kommunizieren. Die Zikaden auf Baum 1 fangen an und dann starten die auf dem Nachbarbaum und so weiter.
Das Kunstwerk setzt sich mit unserer heutigen Kommunikation auseinander. Während die Briefe Zeitkapseln sind, die nicht nur auf ihren Inhalt reduziert werden, ist unser heutiger Kommunikationsstil ein gänzlich anderer.
LAOKOON
Edelstahl, vergoldet

Entstanden 2013, durch die von Edward Snowden ausgelösten NSA-Affäre. Laokoon, ein zweifelnder Priester, der dem Trojanischen Pferd (zu Recht) nicht traute, und der in seiner Ablehnung den Speer nach dem Objekt warf. Zur Strafe sandte ihm Athene die Schlangen, mit denen er in der berühmten Skulptur ringt.
Im Grunde eine Bild-Metapher für Whistle-Blower wie Edward Snowden. Ein Mensch der den Informations-Speer gegen die datensammelnde NSA schleuderte, um auf die Gefahren hinzuweisen. Mit vollem Risiko der eigenen Existenz.
Das Thema hat in den folgenden Jahren nichts an Aktualität verloren. Der Einsatz digitaler Trojanischer Pferde ist heute mehr denn je Mittel der Wahl sich in Rechner zu schleichen und Daten auszuspähen. Die Datensammelei geht sogar noch intensiver weiter; inklusive zunehmender Handreichungen AI-basierter Systeme.
Schlangengleich wuchert ein bizarres Geflecht sich um- und ineinander durchdringender Doppellinien. Alles ist mit Allem verbunden. Ein erschreckend organisches Gebilde mit Potenzial unendlich weiter zu wachsen.
Die dreidimensionale Zeichnung ist per Laser aus einem Edelstahlblech geschnitten und vergoldet. Stahl und Gold stehen dabei symbolisch für kontemporäre Wirtschafts-Effektivität, die ohne verschleierte Vernetzung keine Profite macht.
Im Zusammenhang mit einer alles bestimmenden „Digitalisierung“ behält Laokoon unbeirrbar die Waage zwischen Chancen und Risiken im Auge. – Zwischen Kommunikation bis in die entlegensten Winkel der Erde einerseits, Entlastung von Infrastruktur und Wissenschafts-Multiplikator im Kampf gegen die Erderwärmung.
Andererseits aber auch die Negativseiten unkontrollierten Digitalisierens: Reduktion der Privatheit, totale Überwachung und soziale Vereinsamung.
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