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Im Weltall spazieren gehen

Darmstädter Echo 24. Okt. 2025. Von Bettina Bergstedt

Ausstellung in der Stadtkirche zeigt künstlerische Positionen im Spannungsfeld von Realität und Virtualität. Autorin Bettina Bergstedt taucht ein in virtuelle Welten und schreitet durch den Torbogen ins Weltall.

Foto: Guido Schiek

DARMSTADT . Aufmerksam und mit Bedacht spaziert die Besucherin durchs Weltall. Die plötzlich auftauchende Erdkugel stößt sie mit einer kleinen Handbewegung sanft von sich fort. Jedoch: Es war gar nicht so einfach, dort hinzukommen. Wer in der Stadtkirche durchs Universum schreiten will, muss sich überwinden, durch ein Tor auf eine Holzplattform zu treten und dann diesen einen entscheidenden Schritt in die unendliche Weite des Kosmos zu wagen – ins Leere? Und dabei vielleicht den Boden unter den Füßen verlieren?

Für diese KI-generierte Kunstinstallation von Peter Zuppa und Gudrun Aßmann mit dem Titel „Über.All“ braucht man eine VR-Brille. Auch andere Werke wie die „Hausaltäre“ von Paul Hirsch, Hans-Joachim Völkers „Digitaler Seelsorger“ und Hoppes „Cybernakel“ sind mithilfe von KI entstanden und können über einen QR-Code erschlossen werden.

Kunst rund um virtuelle Räume und KI

Die fünf Künstlerinnen und Künstler aus dem Raum Darmstadt haben sich in der „groupV“ zusammengeschlossen, die sich vor allem mit Kunst rund um virtuelle Räume und KI beschäftigt, sich spielerisch-kreativ zwischen Materialität und Imagination bewegt. Für Andreas Blauert und Prof. Dr. Ralf Köbler, die das Kulturprogramm in der Stadtkirche Darmstadt organisieren, ein perfektes Thema auch zwischen Glaube, Wissenschaft, Vertrauen. „Jenseits von … Anfassbar und unfassbar – künstlerische Positionen im Spannungsfeld von Realität und Virtualität“ heißt die Ausstellung, die bis 14. November zu sehen ist.

Gleich beim ersten Blick in den Chorraum wird der Besucher von einem die Farben des Chors harmonisch aufnehmenden großformatigen Bild begrüßt, dessen Mittelpunkt ein Kreuz bildet. Erst auf den zweiten Blick wird ein verpixelter gekreuzigter Jesus erkennbar. Volkmar Hoppe leistet mit seinem Werk „Demonetized“ kritisch-ironisch den Sicherheitsrichtlinien Folge, die den „User“ im Netz vor gewalttätigen Inhalten und Darstellungen schützen sollen. Seine Konstruktion aus schwarzen Bauteilen zur Skulptur „Fuzzle“ kann ebenfalls mit einer KI-Brille betrachtet, beliebig durch Module erweitert und farbig gestaltet werden und den Chorraum bis zur Decke ausfüllen.

Kunstwerk durch Befragung von ChatGPT erstellt

Paul Hirsch hat seinen „Hausaltären“, drei groben Eichenholzsobjekten, einen QR-Code eingeschrieben, dessen Aktivierung auf dem Smartphone mittels Augmented Reality ganz zeitgemäß drei „private Heilige“ in 3D ins Zentrum der Altäre stellt. Seine „fingerprints“ (3D-Druck) spielen mit dem Fingerabdruck als Identitätsmerkmal, der, modifiziert und überarbeitet, einerseits das Individuelle beliebig variiert, dieses andererseits aber durch die Neugestaltung nochmals spezifiziert.

Freie Wahl und individuelles Entscheidungsrecht haben Besucher, wenn sie ihre Stimme in die Wahlurne werfen und sich damit für die Deklaration der göttlichen Rechte nach den alten oder neuen Paradigmen entscheiden – es geht um die einst gesetzte und in heutigen Zeiten gefühlte Wahrheit. Hans-Joachim Völker hat dieses performative Kunstwerk durch Befragung von ChatGPT erstellt wie auch seinen testbaren „Digitalen Seelsorger“. Seine Installation „Mama Afterlife“ macht Erinnerungen seiner inzwischen verstorbenen Mutter mittels KI dialogisch erlebbar. Doch wie ist dieses „Nachleben im Code“ zu bewerten?

SPEZIALEFFEKTE
Die speziellen Effekte mit 3D-, VR-Brille und Live-Performances sind nur im Beisein der Künstler erlebbar am Sonntag, 26. Oktober, und am Sonntag, 2. November, um 11.30 Uhr.


FLUID REALITIES

F.A.S. , 16. Mär. 2025.

Eine Woche rausgehen & ausgehen. Die schönsten Tipps für Ausflüge und Unternehmungen in ganz Hessen. Eine Übersicht für die nächsten Tage.

Google-Rezension: „Was für ein besonderes Erlebnis! Ich habe gerade meine erste Augmented Reality-Ausstellung besucht und bin immer noch sprachlos. Die urbane Location schuf eine perfekte Kulisse für die geistbewegenden Exponate, die seine Besucher in eine Welt zwischen Realität und Vision entführen. Die Grenzen zwischen dem, was real und was digital ist, verschwammen auf faszinierende Weise. Besonders beeindruckt hat mich, wie die Augmented Reality neue Dimensionen zu den Kulturellen Möglichkeiten unserer Zeit hinzufügte und verborgene Geschichten und Bedeutungen enthüllen kann.

Diese Ausstellung hat meine Vorstellung davon, was Kunst sein kann, völlig verändert. Sie hat mir wieder einmal auf eine neue Art und Weise gezeigt, wie Technologie und Kreativität zusammenwirken können, um etwas wirklich Magisches und nach wie vor Menschliches zu schaffen. Ich kann jedem, der offen für neue Erfahrungen ist, einen Besuch wärmstens empfehlen. Lasst euch von dieser Welt zwischen Realität und Vision inspirieren! „


Virtuell.Transzendent

Main-Echo 13. Mai 2024.

Künstliche Intelligenz (KI) sehen die einen als Chance, andere als Gefahr. Virtuelle Welten neben der materiell-realen gibt es längst und wenn sie miteinander konfrontiert werden, stellt sich die alte Frage: Was ist wirklich real? An vier Sonntagen gibt es in der Alten Dorfkirche Hausen, dem Atelier des Bildhauers Konrad Franz, die Möglichkeit, in spielerischer Art an mehreren »Stationen« Möglichkeiten und Grenzen von virtuellen Welten auszuloten.

Das führte schon bei der Vernissage am Sonntag zu intensiven und auch sehr kontroversen Diskussionen zwischen denen, die von den neuen Möglichkeiten begeistert sind, und denen, die dem Ganzen sehr skeptisch gegenüberstehen. Eines aber war und ist allen klar, die denken können: Ausblenden kann man die Fragen nach KI und virtuellen Welten nicht.

Die Akteure des Kunstkollektivs groupV eröffnen auf ihrer Homepage »Spielräume« für alle, die Möglichkeiten und Grenzen virtueller Welten spielerisch entdecken wollen, und führen das nun an vier Sonntagen in einer spannenden Konfrontation zwischen analoger und digitaler Welt in Hausen vor – der Titel »Virtuell. Transzendent«: Eine schöne interaktive Ausstellung für alle, egal ob Skeptiker oder glühende Anhänger von KI und Virtualität.Die Akteure, die Konrad Franz eingeladen hat, auch weil sie ideal zum Kernanliegen von
ZAK, dem Verein für zeitgenössische aktuelle Kunst passen, sagen über ihre Motivation: »Seit einigen Jahren beschäftigt sich das Kunstkollektiv groupV damit, das artistische Potenzial digitaler Technologien zu erforschen.« Dabei seien die individuellen Herangehensweisen so vielfältig wie die Kunstschaffenden der Gruppe. Augmented und Virtual Reality (AR/VR) sowie generative KI dienten als Inspiration und Medium für ihr Schaffen und für innovative Ausstellungsformate.

Cybernakel

Das heißt in Hausen konkret – und ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Paul
Hirsch verbindet traditionelle Kunstansätze mit modernen Medien, bannt in der Kirche QR-Codes auf Holz, und wenn man die mit dem Handy fotografiert, entdeckt man verblüfft einen Hausaltar mit einem blauen Gummibärchen oder es erscheint am Dach der Kirche ein Himmelsbild mit Wolken und öffnet das Gebäude nach oben – nur zwei Aspekte seiner einfallsreichen Präsentationen. Volkmar Hoppes »Cybernakel« lässt in der Apsis einen Würfel per Magnet-Levitation schweben und enthüllt eine Gottesanbeterin – vor allem mit
Rot-Grün-Brillen ein dreidimensionaler »Hingucker«.

Peter Zuppa lässt in »eye – feel« die Besucher in einem vorgegebenen Bereich von 20 Quadratmetern mit einer VR-Brille die spannende Konfrontation zwischen realer und virtueller Welt erleben und macht klar, wie schwierig es ist, die Abgrenzung zwischen diesen Welten zu finden. Mancher wird sich die Frage stellen: »Kann ich denn sicher sein, dass die Welt, die mir meine Augen zeigen, real ist?« Spannend ist auch der Beitrag von Michaela Schrabeck: Sie lädt zum Beispiel dazu ein, die »Kunst von und mit KI« zu betrachten und fordert dazu auf, sich zwischen einem von ihr per Hand gemalten Öl- und Acrylbild und perfekten Ausbelichtungen der KI auf Alu-Dibond zu entscheiden.

Das sind nur ein paar Beispiele aus einem reichhaltigen »Spielraum«-Angebot. Bleibt zu hoffen, dass an den kommenden vier Sonntagen zwischen 11 und 16 Uhr möglichst viele Menschen, auch und gerade junge, in die Alte Kirche nach Hausen kommen und sich ihr eigenes Bild machen. Bei der Finissage am 9. Juni gibt es um 11 Uhr ein Konzert mit dem Modularmusiker Tom Burkhard.
Ausstellung »Virtuell. Transzendent«, Hauptstraße 42 in Hausen: https://www.groupv.de, geöffnet an den Sonntagen 19. und 26. Mai, 2.und 9. Juni von 11 bis 17 Uhr oder nachVereinbarung


Künstlergespräche im Atelierhaus

Darmstädter Echo 02. Mär. 2021.